DAS
ARGUMENT
(Frigga und Wolf Haug zugeeignet)
Neun und fünfzig im letzten Jahrhundert
Adenauer regierte, der Kalte Krieg nur
Frost zum Dogma erhobener Repression, nichts gelernt aus zwölf unsäglichen
Jahren –
Das Argument aber begann sich zu schürtzen. Die Kruste nachkriegerisch schweigender
Anpassung zerbrach.
Neun und sechzig im letzten Jahrhundert
Der Vietnamkrieg wüstete, Sonnenflecken
flackerten studentenbewegt und Kritik, Marx und
Adorno wurde kübelweise vergossen. Sie zeugte auch
Silberdisteln –
Das Argument gewann zusätzliche Federn,
schärfte Kritik,
wurde darum parteilicher, ohne sich
abzuschließen.
Neun und siebzig im letzten Jahrhundert
Staatsantiterrorismus
und Berufsverbot, die welken Blätter freiheitlich demokratisch gehärteten
Antikommunismus schädigten Junge ein Leben lang. Vergangenheitspolitik hatte
´gesiegt´, aufmüpfige Demonstrierende indes, vielfältig, waren nicht mehr
unterzukriegen –
Das Argument rüstete Nummer für Nummer
unentwegt, trotz mancher Krustung intellektuell
aufmüpfig durchaus, thematisch plural.
Neun und achtzig im letzten Jahrhundert
Staats- und gesellschaftselitäre
Indolenz weithin. Im „Osten“, wie untermenschlich wahrgenommen, und nicht im
Westen brach es auf. Der umständegemäß unmögliche
Kommunismus belehrte die ewig Kapitaldummen seiner inneren Lebenskraft. Trotz
alledem. Perestroika zuerst, dann der Mauerbruch, ein nur vermeintlicher Sieg
kapitalistisch alter Weltordnung –
Das Argument mit vorn dabei, längst feministisch eigen politikgeweitet.
Es packte die Chancen am Schopf. Sollten Wege möglich sein, anders als drittwegig pastellfarben, die arbeiterbewegt
intellektuellen Elan in neuer Zeit weitertrieben?
Neun und neunzig im letzten Jahrhundert
Keines des Sozialismus, runder noch des
Kommunismus, des einfachen, das Bert Brecht gemäß so schwer zu machen ist,
eines des Kapitalismus auf global konkurrenzverdichteter
stattdessen, auf ungleich schroffender Stufe, Kriege,
die dümmsten Pseudohandlungen von Menschen, bundesdeutsch erneut im
lernfeindlichen Wieder mitbetrieben –
Das Argument aber lebte und leibte, den
Köcher mit kritischen Pfeilen gefüllt, einer Zeitschrift und keiner Theorie
mehr gemäß ohne synthetische Kraft, indes voll der Einsichten aus dem, was im
klassischen Griechisch syneidesis hieß, nicht deutsch
tief vielmehr öffentlich sich ausweisenden Gewissens.
Zweitausend und neun im jungen
Jahrhundert
Das kapitalistisch rast und innovativ
zerstört und aus den eigenen Krisen nichts lernt außer Ungleichheiten auf
Ungleichheiten und Gewalt auf Gewalt zu türmen in unabsehbar voraussehbar immer
erneut aktuellen Schrecken.
Das Argument aber währt ein halbes
Jahrhundert lang. Wie unendlich kurz unter unmenschlich ewiger, drum
unmöglicher Perspektive, wie ungewöhnlich lang, die Kontinuität unablässig
artikulierter Kritik auf fest sich entwickelndem Untergrund radikaler
Demokratie mit unvermindert sozialistischem, allein materiell menschenrechtlich
wahrem Ziel. Wer könnte es besser sagen als der armreiche BB, der allen
Schwankungen, allen unvermeidlichen Opportunismen zum Trotz im Kern der einen
Sache getreu dichtete, einer Welt ohne beleidigte, ausgebeutete, durch
Herrschaftskriege gebeutelte und versehrte Menschen:
„Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren
Kämpfen vielleicht eine Stunde lang.
Die noch stärker sind, kämpfen viele
Jahre. Aber
Die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.
Diese
Sind unentbehrlich.“
Das ARGUMENT: FRIGGA und WOLF Haug!